Weiblichen Lebenswegen auf der Spur sind Lisa Niermann, Claudia Biela, Dr. Elke Vieth und Margarete Kannengießer (v.l.). Nicht auf dem Foto: Annemarie Berg.
Borken. Im Jubiläumsjahr widmet das FARB eine Sonderausstellung den Frauen, die die Stadt im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben. Unter dem Titel „800 Jahre Frauen in Borken – Frauen schreiben Stadtgeschichte“ werden vom 8. März bis 31. Mai weibliche Lebenswege, Leistungen und Schicksale aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen vorgestellt. Konzipiert wurde das Projekt von Dr. Elke Vieth, Margarete Kannengießer, Lisa Niermann, Annemarie Berg und Claudia Biela – fünf Frauen, die mit Leidenschaft daran arbeiten, die bislang oft übersehene Perspektive sichtbar zu machen. Im Interview erzählen sie von dem Ausstellungsprojekt:
Wie kam es zu der Idee für die Ausstellung?
Dr. Elke Vieth: Die Idee entstand bei den Besprechungen zu den Bürgerprojekten im Rahmen von Borken 800. Dabei wurde uns bewusst, wie präsent Frauen heute im öffentlichen Leben Borkens sind – in der Politik, der Wirtschaft oder im kulturellen Bereich. Doch über die Frauen früherer Jahrhunderte wissen wir erstaunlich wenig. Uns war klar: Es gab in jeder Epoche starke und einflussreiche Frauen, deren Wirken bislang kaum gewürdigt wurde. Diesen Beitrag sichtbar zu machen, war der Startpunkt unseres Projekts.
Was erwartet die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung?
Margarete Kannengießer: Wir zeigen Biografien von Frauen aus acht Jahrhunderten – von der Bäuerin bis zur Unternehmerin, von der ersten Lehrerin bis zur engagierten Kommunalpolitikerin. Ergänzt wird die Ausstellung durch Erzählabende, bei denen wir über Frauenleben in Borken sprechen und Persönlichkeiten vorstellen, die uns besonders beeindruckt haben. Zum Beispiel erinnern sich viele noch lebhaft an Cornelia Weiligmann, eine Lehrerin aus Gemen, die politisch sehr engagiert war. Ihre ehemaligen Schülerinnen erzählen bewegend von ihren Begegnungen mit ihr.
Was zeichnet die Borkener Frauen über die Jahrhunderte hinweg aus?
Lisa Niermann: Frauen haben zu allen Zeiten eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung gespielt – auch wenn die Geschichtsbücher oft schweigen. Urkunden aus dem 14. Jahrhundert zeigen beispielsweise, dass Frauen im Geschäftsleben aktiv waren. Die ‚Kluchtfrau‘, die heute von Maria Glenz in Stadtführungen verkörpert wird, verdiente ihren Lebensunterhalt selbstständig – eine bemerkenswerte Unabhängigkeit. Auch im religiösen und gesellschaftlichen Leben konnten Frauen Ansehen gewinnen. Trotz aller Fortschritte sehen wir aber, dass Ungleichheiten bis heute bestehen.
Wie unterscheiden sich die Frauen von damals und heute?
Annemarie Berg: Heute haben Frauen rechtliche Sicherheit und Gleichstellungsrechte, für die frühere Generationen kämpfen mussten. Früher bedeutete Selbstständigkeit große Entschlossenheit und Mut, da es kaum gesetzlichen Rückhalt gab. In manchen Bereichen, etwa beim Thema Gewalt gegen Frauen, sehen wir jedoch, dass alte Probleme leider fortbestehen. Der rechtliche Schutz ist heute zwar stärker, aber gesellschaftlich bleibt viel zu tun.
Welche Frauengeschichte hat Sie am meisten bewegt?
Claudia Biela: Jede Biografie ist spannend auf ihre Weise. Besonders berührt hat mich das Leben von Anne Tölle-Honekamp, 1896 in Borken geboren. Sie war eine der ersten Frauen im Rundfunk und trat mit Lesungen, Hörspielen und Vorträgen auf – auch international. Ihr Gedicht ‚Lied der Mütter‘ ist heute wieder erstaunlich aktuell und zeigt, wie zeitlos ihre Gedanken über Stärke und Fürsorge sind.
· Die Ausstellung „800 Jahre Frauen in Borken“ wird am Sonntag, 8. März, um 18 Uhr im FARB eröffnet. Vorher findet im Kapitelshaus von 11 bis 17 Uhr ein Fest zum Internationalen Weltfrauentag statt.
· Am letzten Ausstellungstag, am Sonntag, 31. Mai, wird im Kapitelshaus von 11 bis 17 Uhr ein Interkulturelles Familienfest angeboten.
· Gesprächsrunden mit Frauen aus dem öffentliche Leben runden am 13., 15. und 31. März, am 17. und 29. April sowie am 8. Mai, jeweils um 16 Uhr im FARB, das Programm rund um die Ausstellung ab.