Lokales

„Männer, geht zur Vorsorge!“

04.10.2026

Norbert Ebbert, Hans-Jürgen Kampmann und Franz-Josef Ebbing (v.l.) vertreten die Prostatakrebsgruppe Borken nach außen und raten jedem Mann zur Vorsorge.

Norbert Ebbert, Hans-Jürgen Kampmann und Franz-Josef Ebbing (v.l.) vertreten die Prostatakrebsgruppe Borken nach außen und raten jedem Mann zur Vorsorge.

© Hieby

Kreis Borken. Seit 25 Jahren ist die Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Borken und Umgebung eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und ihre Angehörigen. Rund 30 Mitglieder gehören der Gruppe an. Sie treffen sich jeden dritten Dienstag im Monat im ASB-Haus an der Graf-Friedrich-Straße, um sich auszutauschen, Informationen zu erhalten und einander Mut zu machen. „Jeder hat ein anderes Krankheitsbild durchlebt“, sagt Franz-Josef Ebbing.

„Für mich war es unglaublich hilfreich, jemanden zu finden, mit dem ich reden kann“, sagt Hans-Jürgen Kampmann. Nach seiner eigenen Diagnose suchte er den Kontakt zur Selbsthilfegruppe. Die Gespräche hätten ihm geholfen, mit der Situation umzugehen und zu erkennen, dass das Leben weitergehe. „Man macht sich verrückt“, beschreibt Kampmann die Ängste, die viele Männer nach einer solchen Diagnose begleiteten.

Auch Norbert Ebbert erinnert sich an die Zeit nach seiner Operation. Er sei zunächst sehr durcheinander gewesen und habe sogar psychologische Hilfe in Anspruch genommen. „Vom Kopf her passt es nicht sofort“, sagt er. Gerade in dieser Phase sei es wichtig, Menschen zu treffen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten und offen über die Erkrankung sprechen könnten.

Vertreten wird die Gruppe von Franz-Josef Ebbing, Norbert Ebbert und Hans-Jürgen Kampmann. Bei den Treffen kann jeder zu Wort kommen. Gesprochen wird über persönliche Erfahrungen, Sorgen und Ängste, aber auch über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Medizinische Entscheidungen nimmt die Gruppe niemandem ab. Die Mitglieder informieren über verschiedene Verfahren und berichten aus eigener Erfahrung, betonen aber, dass die Wahl der Therapie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten getroffen werden müsse.

Mehrmals im Jahr lädt die Selbsthilfegruppe Ärzte, Psychologen und andere Fachleute zu Vorträgen ein. Darüber hinaus gehören Radtouren, Besichtigungen, Studienfahrten und gesellige Veranstaltungen zum Programm. So soll die Gemeinschaft nicht ausschließlich von der Krankheit bestimmt sein, sondern auch dazu beitragen, wieder Lebensqualität und Zuversicht zu gewinnen.

Appell zur Früherkennung

Ein besonderes Anliegen der Gruppe ist die regelmäßige Früherkennung. „Das Schlimme ist, dass man Prostatakrebs oft nicht spürt“, sagt Norbert Ebbert. Beschwerden träten häufig erst auf, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten sei. Deshalb rufen die Verantwortlichen Männer dazu auf, sich frühzeitig ärztlich beraten zu lassen und den eigenen PSA-Wert zu kennen.

Zugleich verbindet die Gruppe damit einen Wunsch an die Gesundheitspolitik: PSA-Untersuchungen sollten grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Der Wert könne wichtige Hinweise liefern und Männern helfen, sich frühzeitig mit möglichen Risiken auseinanderzusetzen. Nach derzeitigem Stand ist der PSA-Test zur Früherkennung jedoch eine individuelle Entscheidung nach ärztlicher Beratung und wird nicht generell als Kassenleistung übernommen.

Die Mitglieder weisen zugleich darauf hin, dass nicht jede Veränderung der Prostata auf Krebs hindeutet. Auch eine gutartige Vergrößerung könne Beschwerden verursachen. „Wenn die Lebensqualität eingeschränkt ist, muss man etwas ändern“, sagt Ebbing. Wenn es noch gehe, müsse aber nicht automatisch operiert werden. Solche Entscheidungen gehörten in ärztliche Hände.

Das Thema Prostatakrebs sei für viele Männer noch immer mit Scham verbunden, berichten Ebbing, Ebbert und Kampmann. Manche wollten sich nicht äußern oder sprächen erst nach einer Diagnose über ihre Erkrankung. Die Erfahrung der Gruppe zeigt jedoch, dass offene Gespräche entlasten können. Niemand müsse die Krankheit allein bewältigen.

Die Treffen finden jeden dritten Dienstag im Monat um 14.30 Uhr im ASB-Haus, Graf-Friedrich-Straße 24, in Borken statt. Sie sind kostenlos und offen für betroffene Männer. Ansprechpartner sind Franz-Josef Ebbing, 02862/8314, Norbert Ebbert, 02861/ 1504, und Hans-Jürgen Kampmann, 02862/7545. Die bundesweite kostenlose Beratungshotline des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe ist dienstags bis donnerstags von 15 bis 18 Uhr unter 0800/70 80 123 erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Lokales

zur Merkliste

Jugendliche im Einsatz

Reken. 24 Stunden lang hieß es für 30 Nachwuchskräfte aus Reken: „Alarm!“ Am vergangenen Samstag veranstalteten Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr gemeinsam ihr Rettungswachen-Wochenende beziehungsweise ihren Berufsfeuerwehrtag. 13 Mitglieder des Jugendrotkreuzes und rund 17 Kinder der Jugendfeuerwehr bewältigten dabei zahlreiche realitätsnahe Einsatzszenarien.

Lokales

zur Merkliste

Kleine Räder, große Bühne

Borken. Ein historischer Moment für Borken: Zum ersten Mal in seiner 20-jährigen Geschichte startet der Sparkassen Münsterland Giro in der Kreisstadt. Am Samstag, 3. Oktober, steht Borken damit im Zeichen des Radsports – und setzt mit dem „Girolino“ zugleich einen besonderen Akzent für die Zukunft. Beim ersten Borkener Laufradrennen zeigen Kinder der Jahrgänge 2021 bis 2023, was die Radsportelite von morgen bereits kann.

Lokales

zur Merkliste

Festival der Sinne

Lembeck. Vom 2. bis 4. Oktober findet zum siebten Mal der „Indian Summer“ auf Schloss Lembeck statt.