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Reden rettet Leben

07.09.2026

Fast jeder dritte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens psychisch. Die gute Nachricht: Diese Erkrankungen sind behandelbar – und offen darüber zu sprechen, ist der erste Schritt zur Hilfe.Symbolfoto: Magnific

Fast jeder dritte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens psychisch. Die gute Nachricht: Diese Erkrankungen sind behandelbar – und offen darüber zu sprechen, ist der erste Schritt zur Hilfe. Symbolfoto: Magnific

Kreis Borken. Mehr als 10.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland durch Suizid – mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewalt und Drogen zusammen. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September macht deutlich: Früh hinsehen, reden und Hilfe anbieten retten Leben. „Menschen mit Suizidgedanken wollen oft nicht sterben, sondern einen unerträglichen Zustand beenden. Ein offenes Gespräch kann der erste Ausweg sein“, sagt Jelena Borgers von der Psychiatriekoordination des Kreises Borken.

Psychische Krisen können jeden treffen – durch Verluste, Traumata, Konflikte oder Erkrankungen wie Depressionen, Angst oder Sucht. In solchen Situationen verengt sich die Wahrnehmung oft tunnelartig: Probleme wirken unlösbar, Betroffene fühlen sich isoliert.

Entscheidend ist die Veränderung: Wer sich plötzlich zurückzieht, Verabredungen absagt, kaum noch reagiert, sollte Aufmerksamkeit wecken. Auch Gereiztheit, Schlafstörungen oder Leistungsabfall können Hinweise sein. Alarmierend sind Sätze wie „Ich kann nicht mehr“, „Bald habt ihr eure Ruhe“ oder „Ohne mich wäre es besser“. Auch wenn jemand persönliche Dinge verschenkt oder sich endgültig verabschiedet, ist das ein Warnsignal.

Warnsignale
erkennen, Hilfe finden

Ein gutes Gespräch beginnt in Ruhe, ohne Vorwürfe. Formulierungen aus der Ich-Perspektive helfen: „Mir fällt auf, dass du dich zurückziehst. Ich mache mir Sorgen. Wie geht es dir wirklich?“

Nicht allein bleiben

Suizidgedanken können wie eine mächtige innere Stimme wirken, die Betroffene überzeugt, sie seien eine Last. Doch diese Stimme ist Teil eines seelischen Ausnahmezustands. Oft reicht ein erster Satz an eine vertraute Person: „Es geht mir gerade gar nicht gut und ich brauche Hilfe.“

„Suizidale Krisen können überwunden werden“, betont Borgers. Wenn die Belastung erkannt und behandelt wird, können Suizidgedanken wieder nachlassen. „Deshalb lohnt es sich, Hilfe zu holen – und lieber einmal zu früh reagieren als zu spät“, so Borgers.

Hilfe im Kreis Borken: Der Sozialpsychiatrische Dienst

Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) des Kreises Borken ist erste Anlaufstelle für Menschen in seelischen Belastungen oder psychischen Krisen – und ebenso für Angehörige, Freunde oder Arbeitgeber. Rund 2.800 Klienten betreut der Dienst jährlich. Das Angebot ist kostenlos, auf Wunsch vertraulich und anonym; eine Diagnose ist nicht nötig.

Der SpDi bietet Einzelgespräche, auf Wunsch unter Einbeziehung des Umfelds, und begleitet bei der Therapieplanung. Auch Hausbesuche sind nach Absprache möglich. Gemeinsam werden realistische Ziele erarbeitet – in den Bereichen Gesundheit, Beziehungen, Tagesstruktur, Wohnen, Arbeit und Freizeit. Der Dienst berät auch zu Betreuungsfragen und Hilfen nach dem PsychKG.

Zusätzlich vermittelt der SpDi in Selbsthilfegruppen, kooperiert mit Psychiatern, Psychologen, Pädagogen und Pflegekräften und bietet sechsmal im Jahr den Gesprächskreis „redSEELig“ – ein kostenloses Forum, in dem Menschen über ihre Wege aus der Krise berichten. Zudem stehen persönliche Beratungstermine zur Verfügung, die so lange in Anspruch genommen werden können, wie es notwendig ist. Zur Nachsorge gehören Hinterbliebenenarbeit und Unterstützung nach Psychiatrie-Aufenthalten. „Viele kennen das Angebot noch nicht. Wir wollen bekannter werden, um Menschen auf ihrem Weg zu stärken“, sagt Reinhild Wantia, Fachabteilungsleiterin Psychosoziale Gesundheit. Der SpDi ist zu den regulären Öffnungszeiten der Kreisverwaltung erreichbar. Bei akuter Selbstgefährdung gilt: sofort die 112 wählen. Auch der Hausarzt ist eine wichtige erste Anlaufstelle.

Den Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Borken erreicht man unter 02861/681 5811 oder 02861/681 6007. Unter den kostenlosen Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 oder unter www.telefonseelsorge.de (online per Chat oder E-Mail) gibt es Tag und Nacht Hilfe und Beratung.

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