Vier Stützen der Femeiche in Erle sind marode und müssen ausgetauscht werden.
Erle. Wenn man unter der Femeiche steht, spürt man fast die Jahrhunderte: Dieser Baum hat Gerichtsverhandlungen erlebt, Kriege überstanden und Generationen von Menschen schweigend beobachtet. Jetzt, nach rund 1.000 Jahren, braucht die alte Eiche wieder etwas Hilfe – und bekommt sie.
Zwischen Mitte August und Anfang September werden vier marode Stützen und zwei Fundamente erneuert. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Borken hat die Firma „Gewers Baumpflege GmbH“ beauftragt. Zusätzlich werden die übrigen Stützen kontrolliert und bei Bedarf ersetzt. Die Arbeiten kosten rund 9.000 Euro, größtenteils aus Fördermitteln finanziert.
„In den vergangenen Jahren hat sich die Femeiche für ihr Alter weiterhin gut entwickelt“, sagt Hanna Lösing vom Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises Borken, die den Baum seit fünf Jahren betreut. Die Krone sei in einem hervorragenden Zustand. „Wer genau hinsieht, erkennt, dass der Baum im Wesentlichen nur noch aus den Rindenresten des ursprünglichen Stammes besteht. Diese wachsen jedoch kontinuierlich weiter.“
Ein Baum, der gehalten werden muss
Schon 1911 wurde klar: Ohne Hilfe würde die Eiche nicht überleben – sie faulte von innen. Seitdem wird sie mit Stützen, Pflegetechniken und viel Liebe erhalten. In den 1960er Jahren wurden abgestorbene Teile entfernt und der Boden ausgetauscht. 1986 kamen Lavagranulat und neue Stützen hinzu. 2011 und 2014 folgten weitere Maßnahmen. Immer wieder wurde der Boden gelockert, mit lebendigen Organismen angereichert, die Krone und der Stamm sorgfältig beschnitten.
Ein würdiges Zuhause für ein Naturwunder
Seit April 2025 hat die
Femeiche ein neues, würdiges Umfeld: Der neu gestaltete Femeichenpark lockt Besucher aus nah und fern. Menschen kommen, um unter dem Baum zu sitzen, Kraft zu tanken und die besondere Atmosphäre zu genießen.
Geschichten aus dem Hohlraum
Bis ins 16. Jahrhundert tagte unter der Eiche das Femegericht. Im hohlen Stamm ranken sich viele Legenden – die bekannteste erzählt vom preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der hier 1819 mit zwei Generälen gefrühstückt haben soll.
Mit den jetzt anstehenden Arbeiten soll sichergestellt werden, dass die Femeiche auch in den kommenden Jahrzehnten sicher steht – und weiter Geschichten schreiben kann.