Die „Rappelkiste“ ist mehr als ein Kleidermarkt – sie ist ein Stück Gemen, getragen von Menschen, die sich engagieren, weil es Spaß macht. Auf dem Foto: Betty Scho, Steffi Poppe, Carolin Wansing und Carina Nieling mit einigen ihrer Kinder.
Gemen. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Der Kinderkleidermarkt „Rappelkiste“ feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Was vor drei Jahrzehnten im alten Kloster in Gemen aus der Taufe gehoben wurde, ist heute eine feste Institution in der Gemeinde – zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, verwandelt sich die Turnhalle der Cordula-Grundschule in einen bunten Marktplatz für nachhaltige Kinderkleidung.
Eine Idee, die Generationen verbindet
„Man sollte es nicht glauben, dass es diese Idee schon so lange gibt“, sagt Cordula Thröner, die zu den Erfinderinnen der Rappelkiste gehört. Sie erinnert sich an die frühen Tage, als das Organisationsteam noch kleiner war und der Fokus klar auf preisgünstiger Kleidung lag. Heute, so Thröner, habe sich der Schwerpunkt gewandelt: „Nachhaltigkeit steht mehr im Vordergrund als früher.“
Tatsächlich ist der Markt trotz seines Alters so beliebt wie nie. Selbst wenn mehrere Kinderkleidermärkte am selben Tag in der Region stattfinden, bleibt die „Rappelkiste“ gut besucht. Im Gegenteil: Manche Besucherinnen fahren gezielt von Markt zu Markt, um die besten Angebote zu finden.
Qualität und Sicherheit für die Kleinsten
Ein großer Vorteil des Marktes liegt in der sorgfältigen Vorauswahl. Alle Kleidungsstücke werden vor dem Verkauf geprüft – Fleckiges oder Beschädigtes wird aussortiert. Besonders in den kleinen Größen sind die Sachen oft sehr gut erhalten, manchmal sogar neu mit Original-Preisschildern, denn Babys wachsen schnell heraus.
Für Eltern wie Betty Scho, die seit 23 Jahren im Team ist, war das ein entscheidender Faktor. Eines ihrer Kinder ist Allergiker, und die mehrfach gewaschene Kleidung bot Sicherheit vor Schadstoffen. „Die Sachen waren schon richtig schön hergerichtet“, erinnert sie sich an ihre ersten Besuche im Kloster.
Ein Team, das zusammenhält
Rund 14 Personen gehören heute zum Kernteam, an den beiden Markttagen kommen weitere 25 bis 30 Helferinnen und Helfer dazu. Die Arbeit ist intensiv: Etwa 120 Verkäufer werden angenommen, rund 300 Kisten mit Kleidung müssen sortiert werden. Alles muss schnell gehen – Annahme und Aufbau am Freitag, am Samstagnachmittag wird bereits wieder abgebaut.
Neue Gesichter, alte Freundschaften
Viele junge Frauen kommen zum Helfern, oft angesprochen über Kindergruppen oder Bekannte. Steffi Poppe ist seit zwölf Jahren dabei und findet das Ehrenamt „überschaubar“: „Man ist ja nur zwei Tage pro Markt im Einsatz, zwischendurch ist nicht so viel zu tun.“ Carolin Wansing, Mutter eines sechsjährigen Kindes und seit drei Jahren im Team, freut sich besonders, wenn sie ihre selbst genähte Kleidung wieder auf dem Markt entdeckt. „Es wird weiterverwendet, es wird weitergegeben.“ Die Helferinnen stellen fest: Gute Qualität überdauert Jahre und taucht immer wieder auf.
Mehr als nur Kleidung: Gemeinschaft und Solidarität
Neben dem praktischen Nutzen entsteht in der „Rappelkiste“ etwas Besonderes: Gemeinschaft. „Man lernt nette Leute kennen und es macht Spaß“, erzählt Carina Nieling. Ein weiterer wichtiger Aspekt: 15 Prozent des Erlöses bleiben in Gemen und kommen lokalen Projekten zugute. Das Kernteam entscheidet jedes Jahr neu, wohin das Geld fließt.
Der nächste „Rappelkiste“-Kinderkleidermarkt findet am Samstag, 3. Oktober, von 9 bis 11.30 Uhr in der Turnhalle der Cordula-Grundschule statt. Einlass für Schwangere ist bereits ab 8.30 Uhr.