Lokales

Vor 100 Jahren eingeweiht

29.08.2026

Der schlichte Steinblock im Stadtpark mahnt gegen das Vergessen.

Der schlichte Steinblock im Stadtpark mahnt gegen das Vergessen.

Borken. Wenn beim Borkener Schützenfest der große Zapfenstreich erklingt, wird es still am Ehrenmal im Stadtpark. Das Totengedenken und die Kranzniederlegung gehören zu den feierlichen Programmpunkten im Ablauf des Festes. Die Schützen erinnern an die Opfer von Krieg und Gewalt und nehmen sich damit bewusst eine Zeit des Innehaltens – gleich zu Beginn der festlichen Tage.

Ein Denkmal aus dem Jahr 1926

Am 12. September 1926 wurde das Borkener Kriegerehrenmal im Stadtpark eingeweiht. Es entstand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen der Stadt. Ursprünglich galt es den 176 Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Der zeitgenössische Begriff „Kriegerehrenmal“ war in den 1920er Jahren im Münsterland weit verbreitet. Überall entstanden Denkmäler für gefallene und vermisste Soldaten des Ersten Weltkriegs. In ihrer Gestaltung und in den Einweihungsfeiern spiegelte sich häufig ein Verständnis des Soldatentodes wider, das von national-konservativen bis hin zu nationalistischen Vorstellungen geprägt war. Männer, Brüder und Söhne, die auf dem „Felde der Ehre“ gestorben waren, wurden vielfach zu Helden erklärt. Auch die Einweihung des Borkener Denkmals stand unter diesen geistig-politischen Vorzeichen.

Strenge Form erinnert an einen Sakrophag

Das Denkmal ist von schlichter, strenger Gestaltung und erinnert an einen Sarkophag. Entworfen wurde es von dem Bildhauer Albert Mazzotti (1882 - 1951) und dem Architekten Wilhelm Wucherpfennig (1894 - 1970). Der Borkener Steinmetzbetrieb Josef Sondermann übernahm die Ausführung. Neben den Namen der 176 Gefallenen wurde ein umlaufender Gedenkspruch in den Stein eingearbeitet. Damit verwies das Denkmal zugleich auf zwei Ebenen: Es bewahrte die Erinnerung an konkrete Menschen und dokumentierte die politische Erinnerungskultur der Zeit, in der es errichtet wurde.

Veränderung der Bedeutung

Das Ehrenmal überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt. Spätere Überlegungen, den Stein zu entfernen oder ihn grundlegend umzugestalten, setzten sich nicht durch. Erst im Jahr 2007 wurden das Denkmal und sein Umfeld neu gestaltet. Das Denkmal versteht sich seitdem nicht mehr allein als Ehrenmal für gefallene Soldaten, sondern als Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Gewalt. Zugleich ist es eine Mahnstätte für Versöhnung, Verständigung und Frieden.

Diese veränderte Perspektive kommt auch durch die aktualisierte Beschriftung zum Ausdruck. Auf der Vorderseite steht: „Zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt.“ Die linke Seite erinnert an 176 Gefallene und 15 Vermisste des Ersten Weltkriegs, die rechte an 578 Gefallene, 156 Vermisste und 109 Ziviltote des Zweiten Weltkriegs. Auf der Rückseite heißt es: „Sie alle waren Söhne und Töchter unserer Stadt. Ihr Opfer ist unsere Verpflichtung: Frieden!“

Ein fester Ort beim Schützenfest

Heute ist das Ehrenmal ein Orientierungspunkt im Stadtpark. Seine wichtigste öffentliche Bedeutung erhält es am Volkstrauertag – und beim Schützenfest. Wenn die Schützen zum großen Zapfenstreich antreten, Kränze niederlegen und der Toten gedenken, wird der historische Ort in die Gegenwart geholt.

Dabei bleibt die Geschichte des Denkmals sichtbar – auch in ihrer Ambivalenz. Das Ehrenmal entstand in einer Zeit, in der gefallene Soldaten vielfach national überhöht und als Helden dargestellt wurden. Heute steht es in Borken zugleich für eine kritischere und umfassendere Erinnerung: für das Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewalt und für die Verpflichtung zum Frieden.

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