Unter dem Codenamen „Anna“ können sich Betroffene an das Krankenhaus Bocholt wenden. Symbolfoto: Freepik.de
Kreis Borken. Im St. Agnes Hospital Bocholt ist seit 2020 eine besondere Anlaufstelle für Opfer sexualisierter und häuslicher Gewalt etabliert: die Anonyme Spurensicherung (ASS) unter dem Codewort „Anna“. Betroffene können sich dort unabhängig von einer Strafanzeige medizinisch untersuchen lassen und ihre Spuren sicherstellen – diskret, kostenlos und ohne bürokratischen Vorlauf.
Hinter diesem Angebot steht eine langjährige Bündelung von Erfahrungen: Der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt – GewAlternativen“ im Kreis Borken arbeitet seit 2001 mit rund 60 Fachkräften aus Polizei, Justiz, Medizin und Beratung daran, Gewalt im Alltag sichtbar zu machen und Schutzangebote zu verbessern. Das Modell der anonymen Spurensicherung wurde in Kooperation mit dem St. Agnes Hospital entwickelt, um Opfern mehr Zeit und Sicherheit zu geben, bevor sie sich für oder gegen eine Anzeige entscheiden.
Die Debatte um die Dunkelziffer von Gewalt gibt dem Projekt besondere Brisanz: Die bundesweite Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ zeigt, dass weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen überhaupt angezeigt werden – bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt sind es sogar deutlich weniger. Gerade deshalb ist das Angebot im St. Agnes Hospital so wichtig: Hier werden Untersuchung und Spurensicherung professionell, evidenzbasiert und mit beratender Begleitung durchgeführt; die Spuren werden mit einer Chiffre Nummer versehen und zehn Jahre im Institut für Rechtsmedizin in Düsseldorf gelagert.
Hier finden Betroffene anonym und schnell medizinische Hilfe und Unterstützung: St. Agnes-Hospital Bocholt, 02871/200; Codewort „Anna“
Auf der Internetseite www.gewalternativen.de sind weitere Informationen zur anonymen Spurensicherung in sechs unterschiedlichen Sprachen (arabisch, deutsch, englisch, französisch, persisch, russisch und türkisch) zu finden.