Stephanie Keinert beschäftigt sich seit 2019 mit den Gemener Goldledertapeten, um herauszufinden, wie sich ihr Verfall aufhalten lässt. Foto: LWL/Benji Prior
Gemen. Sie glänzen noch schwach golden, erzählen von einer prunkvollen Wohnkultur und sind in dieser Vollständigkeit deutschlandweit eine Seltenheit: Auf der Burg Gemen haben sich vier großformatige Jagdszenen und mehr als 60 kleinere ornamentale Goldledertapeten aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Doch der wertvolle Wandschmuck ist stark gefährdet.
Restauratorin Stephanie Keinert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) untersucht seit 2019, wie sich der fortschreitende Verfall aufhalten lässt. Leder, Silberschicht, Firnis und Malschichten sind durch wechselnde Umgebungsbedingungen porös geworden. Mithilfe von Mikroskopen und UV-Licht macht Keinert selbst kleinste Schäden sichtbar und entwickelt ein Konzept für die Erhaltung der Tapeten.
Goldledertapeten bestehen nicht aus Gold. Auf einen Untergrund aus Leder wurde eine dünne Silberschicht aufgetragen. Ein gelblich pigmentierter Firnis verlieh der Oberfläche anschließend ihren goldenen Schimmer. Die Motive wurden von Hand aufgemalt. Die Gemener Ausstattung zeigt eine Wildschwein-, Hasen-, Hirsch- und Wolfsjagd. Engelsfiguren, Blattwerk und Früchte schmücken die Bordüren. Zusätzlich wurden Muster wie Kreise, Sterne und Zacken mit kleinen Metallstempeln in die Oberfläche geprägt.
Die Kunstwerke entstanden vermutlich im 17. Jahrhundert in einer spezialisierten Werkstatt in den Niederlanden. 1842 erwarb Friedrich Ludolf von Landsberg-Velen die Tapeten für das Jagdzimmer der Burg. In den 1980er-Jahren wurden sie ausgebaut und eingelagert. Teile waren zeitweise im Restaurant von Schloss Velen zu sehen.
Nun sollen die Goldledertapeten restauriert und möglichst an ihren historischen Platz zurückgebracht werden. Dafür muss auch das Raumklima im heutigen Seminarraum der Jugendburg dauerhaft verbessert und kontrolliert werden. Vorgesehen sind unter anderem Schutzfolien für die Fenster, Be- und Entfeuchtungsgeräte sowie regelmäßige Klimamessungen.
Für Jakob Graf Landsberg-Velen ist die Erhaltung eine Verpflichtung: „Das ist Teil meiner Verantwortung als Eigentümer.“ Für Keinert geht es um mehr als den Schutz einzelner Kunstwerke: „Ein Stück unserer Identität, die wir weitergeben.“