Das Hautkrebsrisiko steigt mit der Sonne: Schon im Frühjahr ist konsequenter Sonnenschutz wichtig. Foto: Freepik
Münsterland. Wenn die ersten milden Tage locken, fühlt es sich an wie Befreiung: endlich wieder Kaffee draußen, die Jacke bleibt offen, das Gesicht in der Sonne. Doch die Frühlingssonne hat in den vergangenen Jahrzehnten an Kraft gewonnen – und zwar deutlicher, als viele ahnen. Messungen des Bundesamts für Strahlenschutz zeigen, dass die monatliche UV-Strahlung zwischen 1997 und 2022 in der Region Dortmund um deutlich mehr als zehn Prozent gestiegen ist, im Raum Brüssel sogar fast um 20 Prozent. Was nach trockenen Messwerten klingt, hat sehr reale Folgen: UV-Strahlung gilt als wichtigste Ursache für Hautkrebs, das Risiko für Schäden an Haut und Augen nimmt zu.
Die Gründe für den Anstieg liegen buchstäblich am Himmel. In Mitteleuropa gibt es heute mehr Sonnenstunden als noch in den 1950er-Jahren, gleichzeitig haben sich Bewölkungsmuster verändert. Wolken sind insgesamt seltener und oft weniger dicht – das lässt mehr UV-Strahlung bis zum Boden durch. Klimaforscher sehen darin einen weiteren Baustein der Klimakrise, die sich nicht nur in Hitzerekorden bemerkbar macht, sondern auch in unsichtbarer Strahlung. Dazu kommt: Die schützende Ozonschicht ist in manchen Jahren, insbesondere über der Arktis, geschwächt, was zeitweise auch in unseren Breiten höhere UV-Werte zur Folge hat.
Besonders problematisch: Die Haut merkt sich jede Minute in der Sonne. Hautkrebs entsteht oft erst viele Jahre nach wiederholten Sonnenbränden oder ungeschützter Bestrahlung, das gilt vor allem für das maligne Melanom, eine der gefährlichsten Hautkrebsformen. Früh erlittene Schäden in Kindheit und Jugend schlagen später zu Buche – ein weiterer Grund, beim Sonnenschutz nicht nur an den Sommerurlaub am Meer zu denken, sondern an den Alltag auf dem Schulhof, im Garten oder beim Fahrradausflug. Fachleute betonen: Ein Sonnenbrand ist keine Bagatelle, sondern eine Entzündung der Haut, bei der Zellen geschädigt werden.
Was können wir also tun, ohne die Sonne gleich ganz zu meiden? Der moderne Sonnenschutz setzt auf Kombination statt auf Wundermittel. Empfohlen wird, die intensive Mittagssonne zwischen etwa 11 und 15 Uhr zu meiden oder in den Schatten auszuweichen, möglichst lange Kleidung und eine Kopfbedeckung zu tragen sowie eine Sonnenbrille mit gutem UV-Filter zu nutzen. Sonnenschutzmittel ergänzen diese Maßnahmen, können sie aber nicht ersetzen: Wichtig sind ein ausreichend hoher Lichtschutzfaktor, großzügiges Auftragen und regelmäßiges Nachcremen, vor allem nach dem Schwitzen oder Baden. Besonders Kinder profitieren von leichten, dicht gewebten Textilien und Caps mit Nackenschutz – so wird Sonnencreme zur Unterstützung, nicht zur einzigen Schutzmauer.
Hilfreich für die Planung von Draußen-Zeiten ist der UV-Index. Er beschreibt auf einer Skala von 1 bis 11, wie stark die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung an einem Tag ausfällt. Viele Wetter-Apps zeigen ihn mittlerweile direkt mit an, auch das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht täglich aktuelle Werte. Faustregel: Ab einem UV-Index von 3 sind Schutzmaßnahmen angesagt – also Schatten suchen, Schutzkleidung tragen und zur Sonnencreme greifen. So lässt sich der Alltag an der frischen Luft genießen, ohne der eigenen Haut unnötig zu schaden.
Wer tiefer einsteigen möchte oder konkrete Fragen zu Hautkrebsrisiko und Vorsorge hat, findet beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums kompetente Ansprechpartner. Dort gibt es telefonische Beratung, Informationen per E-Mail sowie ausführliche Online-Tipps rund um UV-Schutz, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten.